Mittwoch, 3. Mai 2017

Zuletzt gesehen: April 2017

"Split" [US '16 | M. Night Shyamalan] - 4/10

"De Palma" [US '15 | Noah Baumbach & Jake Paltrow] - 5.5/10

"Black Mirror" [UK '11 | Season 1] - 5/10

"Black Mirror" [UK '13 | Season 2] - 5/10

"The God of Cookery" [HK '96 | Stephen Chow] - 6/10

"Kingsman: The Secret Service" [UK, US '14 | Matthew Vaughn] - 3/10

"The Shallows" [US '16 | Jaume Collet-Serra] - 4/10

"Logan" [US '17 | James Mangold] - 6/10

"Gloria" [CL, ES '13 | Sebastián Lelio] - 6.5/10

"Julius Caesar" [US '53 | Joseph L. Mankiewicz] - 5/10

"Cleopatra" [CH, UK, US '63 | Joseph L. Mankiewicz] - 6/10

"Troy" [US '04 | Wolfgang Petersen] - 7/10

"Louis C.K. 2017" [US '17 | Louis C.K.] - 6.5/10

"I Am Not Your Negro" [BE, CH, FR, US '16 | Raoul Peck] - 7/10

Sonntag, 9. April 2017

"Buffy - The Vampire Slayer" [US 1997 - '98 | Season 1 - 3]

Ganz zu Anfang stand sie noch dort, verunsichert, unschuldig. Die blonde Mähne durch eine Haarspange gebändigt, betritt sie die Schulbibliothek, die außerhalb des alltäglichen Überlebenskampfes in hierarchisch gegliederten Highschool-Strukturen einen eigenen, Staub-verfangenen Kosmos bildet. Im einfallenden Sonnenlicht tanzen die Staubpartikel und ein Brite im Tweed-Jacket fängt sie auf, stellt sich mit Giles vor - eine gutmütige Vaterfigur, die die Manierismen des stereotypen Inselbewohners Season für Season abträgt, aber nie ganz vergisst. Die Bibliothek markiert den Übergang in eine andere Welt; eine Welt, unter der sich der Höllenschlund auftut und in der Buffy (Sarah Michelle Gellar) mit den Waffen eines Slayers für alles eine Lösung finden muss. Hier findet die Reise ihren Anfang - und das Buffyverse zu seinen Ursprüngen.

Buffy - The Vampire Slayer“ zu studieren, bedeutet Evolution zu studieren. Und diese Evolution ist weitreichend und facettenreich: Zunächst leichtherzige Monster-of-the-week-Dramödie, Genre-Potpourri und Kabelsender-Trash direkt aus den Untiefen der Neunziger Jahre - dann aber verzieht sich der Vampir-Staub und gibt den Blick auf die tragischen, emotionalen Verstrickungen jener frei, die versuchen in den Schnittpunkten sich abstoßender Welten ihr ersehntes Glück zu finden. Dabei bleibt „Buffy“ immer ein Außenseiter-Porträt, unmittelbar und intravenös versorgt mit dem Herzblut seines Erschaffers und durchsetzt mit den einschlägigen Motiven der teen angst. Auch Buffy, die Heldin aus "Buffy", in erster Linie jedoch das sechzehnjährige Mädchen, das mit den Umständen des Andersseins ringt, durchläuft die Evolutionsstufen der Adoleszenz. Nicht im Faustkampf mit blutsaugenden Nervensägen gilt es also zu bestehen, sondern im hierarchischen Kampf des ungleich komplexeren, sozial verkomplizierten Schulalltags.

Buffy evolutioniert so wie die Serie in Tonalität und Schwerpunkt evolutionert. Und ebenso wie die wunderbaren, allesamt Herzblut-verströmenden (Neben)Figuren ihre Evolution durchlaufen, indem sie wachsen und zurückfallen dürfen. Willow, eigensinnig und herzerwärmend gespielt von Alyson Hannigan, wird erwachsen, entdeckt sich und ihre Stärken (neu), Xander (Nicholas Brendon) reflektiert still über seine Daseinsberechtigung in der Scooby-Gang ohne dabei seinen Humor zu verlieren und Angel (David Boreanaz) ist mit den Unwegbarkeiten einer Liebe zwischen Dämon und Mensch konfrontiert, ehe ein Serien-Spin-off ihn nach Los Angeles beordert. Nebenbei revolutioniert die Serie das Genre, indem sie es nicht nur hofiert, sondern erweitert, ausweitet und neue Schichten aufträgt. Teen angst bot sich seit jeher dafür an, sie in die unvorstellbarsten Horror-Szenarien zu implementieren, war der Horror doch stets der Auseinandersetzung mit dem Abjekt verpflichtet - jenen Dingen also, die die Ordnung ins Wanken bringen und die es impulsiv von sich abzustoßen gilt. Wem käme dies näher als dem Kind, das von Entfremdung und Selbsthass zu berichten beginnt?

Und das wahnsinnige und großartige an den geplagten Figuren: Taten und Worte haben Konsequenzen und sind nicht über die Begrenzungen des vierzig-Minuten-Formats einer Episode vergessen, da der Status quo der Serie, so wie das Leben, immerwährenden Transformationen unterworfen ist. Whedon nimmt all diese Gefühlswelten ernst und zieht die Konsequenzen, wenn sie sich kreuzen. Und wenn er beginnt diese Figuren und ihre Gefühle zu überhöhen, dem Sentiment zu den Klängen der 90er Jahre seinen verdienten Platz einräumt oder die Lebenswelten zweifelnder Teenager abstrahiert, um die Blaupausen des phantastischen Horrors auf sie anzuwenden, ist das bisweilen beängstigend präzise und fernab dessen, was Titel und Verpackung von „Buffy“ befürchten lassen. Dann folgt auf den Lacher der stockende Atem und die verhärteten Züge lösen sich im Beisammensein einer sich liebenden Gemeinschaft, die sich im alltäglichen Miteinander Bedeutung schenkt. Hinter der Metapher steht das Leben, und schlussendlich: die Liebe.

Oz: „Guys, take a moment to deal with this: we survived.“
Buffy: „Yeah, that was a hell of a battle.“
Oz: „Not the battle – Highschool.“

Mittwoch, 5. April 2017

Zuletzt gesehen: März 2017

"Body Double" [US '84 | Brian De Palma] - 5/10

"Casualties of War" [US '89 | Brian De Palma] - 7/10

"The Bonfire of the Vanities" [US '90 | Brian De Palma] - 5.5/10

"Mistress America" [US '15 | Noah Baumbach] - 6/10

"You've Got Mail" [US '98 | Nora Ephron] - 4/10

"Serendipity" [US '01 | Peter Chelsom] - 5/10

"Patriots Day" [US '16 | Peter Berg] - 6/10

"Deepwater Horizon" [US '16 | Peter Berg] - 5/10

"Lone Survivor" [US '13 | Peter Berg] - 3/10

"Lammbock" [DE '01 | Christian Zübert] - 5/10

"Inside Llewyn Davis" [US '13 | Joel & Ethan Coen] - 5/10

"Chef" [US '14 | Jon Favreau] - 4.5/10 

Freitag, 3. März 2017

Zuletzt gesehen: Februar 2017

"Certain Women" [US '16 | Kelly Reichardt] - 6.5/10

"Unsere kleine Schwester" [JP '15 | Hirokazu Koreeda] - 7/10

"The Killer" [HK '89 | John Woo] - 5/10

"Wild" [DE '16 | Nicolette Krebitz] - 6/10

"Feuerwerk am helllichten Tage" [CH '14 | Diao Yinan] - 5/10

"Krisha" [US '15 | Trey Edward Shults] - 8.5/10

"I Spit On Your Grave" [US '10 | Steven R. Monroe] - 1/10

"Doctor Strange" [US '16 | Scott Derrickson] - 4/10

"Master & Commander" [US '03 | Peter Weir] - 7/10

"Carlito’s Way" [US '93 | Brian De Palma] - 6/10

"In Another Country" [KR '12 | Hong Sang-soo] - 5.5/10

"A Love Song for Bobby Long" [US '04 | Shainee Gabel] - 5/10

"Fidelio, l'odyssée d'Alice" [FR '14 | Lucie Borleteau] - 7/10

"The Good, The Bad, The Weird" [KR '08 | Kim Jee-woon] - 5/10

"The Last Stand" [US '13 | Kim Jee-woon] - 3/10

"Der Retter" [FR '09 | Xavier Giannoli] - 2/10

"The Village" [US '04 | M. Night Shyamalan] - 7/10

"Türkische Früchte" [NL '73 | Paul Verhoeven] - 6/10

"New Police Story" [HK '04 | Benny Chan] - 4/10

Samstag, 11. Februar 2017

"Personal Shopper" [FR '16 | Olivier Assayas]

Maureen (Kristen Stewart) ist ständig in Bewegung, durchläuft Räume, wechselt Lokalitäten, kommt an, um kurz darauf wieder zu entschwinden. „Personal Shopper“, das düngt einem schnell, ist ein ungeheuer vielschichtiger Film, der sich mit jeder Szene Schicht um Schicht zu entblättern beginnt, so wie auch Maureen die Kleider überstreift und dann wieder von sich abfallen lässt. Assayas' Film sträubt sich dabei jedoch jeder Zuordnung, er ist viel- und uneindeutig seine wahren Intentionen betreffend und deswegen von einer beunruhigenden Getriebenheit, weil er in der Wahl seiner Mittel nie durchschaubar wird. Alle Räume sind bevölkert von Echos, die die Vergangenheit in die Gegenwart zwingen. Assayas doppelt diese Metapher mit dem Bild des digitalen Echos, das in den Whatsapp-Konversationen mit einem Unbekannten in einen bizarren, intimen Dialog eintritt. Assayas integriert die modernen Kommunikationsmittel zu diesem Zweck nicht nur, um (vollkommen frei von jeglichem Technik-Pessismismus) ein Abbild der modernen Lebenswirklichkeit zu entwerfen, sondern macht sie auch narrativ für sich nutzbar. Die modernen Kommunikationsmedien stellen neue, virtuelle Räume zur Verfügung und doch befremden sie die Menschen, die sie nutzen. Die Menschen werden in der Konsequenz zu Grenzgängern zwischen den Räumen, entkoppeln das physische vom psychischen. Auch der Dialog zwischen Maureen und dem Unbekannten ist zeitlich fragmentiert, wird immer wieder unterbrochen und später fortgeführt. Diese zeitliche Fragmentierung nutzt Assayas, um daraus immer wieder nervenaufreibende Spannungsmomente zu kreieren. Wenn er die Räume wieder zusammenführt, die Vergangenheit aufholt und mit einem Mal vor der eigenen Tür steht, erreicht der Film dann auch ungeahnte Genre-eigene Qualitäten. Maureen lebt in einer Endlosschleife, als Abdruck auf digitalen Oberflächen, zum Geist geworden. Als letztes Vermächtnis ist es eine wie auch immer geartete Entität, die sie aus dieser Tristesse entlässt, weil sie beginnt die richtigen Fragen zu stellen. Und die Kraft ist schlussendlich keine jenseitige, fremde, sondern eine ganz vertraute: die Kraft in ihr selbst. 

7/10

Freitag, 3. Februar 2017

Zuletzt gesehen: Januar 2017

"Jung & Schön" [FR '13 | François Ozon] - 6/10

"The French Connection" [US '71 | William Friedkin] - 7/10

"Godzilla Resurgence" [JP '16 | Hideaki Anno & Shinji Higuchi] - 6/10

"The Kingdom of Dreams and Madness" [JP '13 | Mami Sunada] - 8/10

"Near Dark" [US '87 | Kathryn Bigelow] - 6/10

"Daybreakers" [AUS '09 | Michael & Peter Spierig] - 3/10

"The Lost Boys" [US '87 | Joel Schumacher] - 4/10 

"Dracula" [US '31 | Tod Browning] - 6/10

"Dracula" [UK '58 | Terence Fisher] - 4/10

"Frankenstein" [US '31 | James Whale] - 7/10

"Bride of Frankenstein" [US '35 | James Whale] - 8/10

"The Curse of Frankenstein" [UK '57 | Terence Fisher] - 4/10

"Right Now, Wrong Then" [KR '15 | Hong Sang-soo] - 8/10

"Nugu-ui Ttal-do Anin Haewon" [KR '13 | Hong Sang-soo] - 7/10

"The Yellow Sea" [KR '10 | Na Hong-jin] - 5/10

"La La Land" [US '16 | Damien Chazelle] - 5/10

"Love and Other Drugs" [US '10 | Edward Zwick] - 2/10

"Bridesmaids" [US '11 | Paul Feig] - 6/10

"Everybody Wants Some!!" [US '16 | Richard Linklater] - 5/10

"Angel" [US '99 | Season 1] - 5/10

"Moonlight" [US '16 | Barry Jenkins] - 8/10

"Elle" [FR '16 | Paul Verhoeven] - 6/10

"Personal Shopper" [FR '16 | Olivier Assayas] - 7/10

"Hacksaw Ridge" [AU, US '16 | Mel Gibson] - 4/10

"Wiener Dog" [US '16 | Todd Solondz] - 5/10

"Eden" [FR '14 | Mia Hansen-Løve] - 5.5/10

"Chance" [US '02 | Amber Benson] - 3/10

Freitag, 27. Januar 2017

Die Mär vom Film, der nur unterhalten möchte (und was Unterhaltung sein könnte)

Da ist es wieder. Du siehst es schon kommen, bevor die Worte endgültig ausgesprochen worden sind. Denn sobald man dazu ansetzt über einen sogenannten Unterhaltungsfilm, einen Blockbuster also, abseits von schnellen Geschmacksurteilen ernsthaft diskutieren zu wollen, so wie man auch über jedes andere gesellschaftspolitische Thema ernsthaft diskutieren können sollte, wird abgewunken und das tödlichste aller Totschlagargumente bemüht: Der Film wolle doch „nur unterhalten", solche Ansprüche seien also Fehl am Platz, völlig unangebracht, mindestens unfair dem Film und den Machern gegenüber, die doch nur Unterhaltung versprechen - und sonst nichts. Eskapismus eben, der keine Hirnleistung erfordert; zwei Stunden einmal den Kopf auf Durchzug schalten und alles von sich abfallen lassen. Nur elitäre Kritiker und Miesepeter, verkopfte Kunsttheoretiker und arrogante Weinglas-Schwenker stellen an den gemeinen Blockbuster heutzutage noch Ansprüche, die über gute Unterhaltung hinausgingen.

Das ist natürlich alles ganz grober Unfug, den Leute reden, die ihren Kopf sonst so selten einstellen und im Kinosaal mal damit beginnen könnten. Diskursfeindlich ist dieses Denken sowieso. Der Denkfehler beginnt schon bei der Annahme, der Unterhaltungsbegriff einer breiten Zuschauerschaft sei auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und das einfache Bedürfnis eines Filmes nur unterhalten zu wollen, bedürfe keiner weiteren Erklärung. Aber gerade dieser Unterhaltungsbegriff bedarf einiges an Klärung. Die Vorstellungen von (guter) Unterhaltung sind nämlich sehr wohl verschieden, sogar ganz fundamental und deswegen auch die Ansprüche, die daran gebunden werden. Gerne wird die Floskel vom Film, der nur unterhalten möchte, bei hoch budgetierten Blockbustern bemüht - bei Superheldenfilmen, Actionstreifen oder Komödien zum Beispiel, die man in der Annahme, diese seien abseits der Pointe und des Gags an nichts weiterem interessiert (oder müssten an nichts weiterem interessiert sein), gerne von weiteren, zu weit führenden Ansprüchen zu verteidigen sucht. Man nimmt also gerade diejenigen in Schutz, die über die größten Möglichkeiten verfügen und sich selbst die größten Limitierungen auferlegen.

„Ein Blockbuster hat natürlich nicht die Figuren eines P.T.A. oder die Dialoge eines Tarantino.“ - das seien somit unangebrachte Erwartungen. Derjenige, der an den neuen Marvel-Film also die falschen Erwartungen stelle, ist selber Schuld, wenn er letztlich an sich und seinen mitgebrachten Erwartungen scheitert. Das ist ein weiterer Punkt: irgendeine graue Masse scheint festlegen zu wollen (und zu können) welche Erwartungshaltung man an eine bestimmte Sorte von Film stellen könne und welche nicht. Der Actionfilm könne nur gute Action bieten und alle Makel abseits dieser Kernkompetenz seien vernachlässigungswert, verzeihbar mindestens. Das Kino wird durch solch ein Denken in Genre-Kategorien in seinen Möglichkeiten und Chancen massiv unterschätzt. Und von was sich wer wie unterhalten lässt, ist – wie bereits erwähnt - tatsächlich hochgradig verschieden und ganz und gar persönlich. Die Einordnung in eine Genre-Tradition und seine Regeln sollte den Zuschauer nicht dazu veranlassen, vermeintlich falsche Ansprüche fallenzulassen. „Lazy writing“ sollte nicht über eine Genre-Zugehörigkeit entschuldbar sein und durch bloße Repetition plötzlich legitimiert (schaut man z.B. auf eine der unzähligen Slasher-Reihen und die Verhaltensweisen der Teenager dort, scheint aber gerade das zu passieren).

Aber auf die Kritik an Genre-Zuordnungen möchte ich in diesem Beitrag nicht weiter eingehen, mein Punkt ist ein anderer. Mein Punkt ist nämlich, dass die Mär vom Film, der nur unterhalten möchte, zumeist von solchen Leuten bemüht wird, die sich und den jeweiligen Film mit einfachsten Mitteln zu verteidigen suchen. Denn Unterhaltung muss begrifflich nicht etwas vom Intellektuellen, Langwierigen und Komplexen entkoppeltes sein; es ist nicht davon isoliert, schließt es nicht aus, ebenso wenig wie es etwas davon einschließen muss. Unterhaltung kann synonym sein mit guten Actionszenen oder teuren, großen CGI-Bildern - muss es aber nicht. Ich schätze das ist mein Anliegen mit diesem Text: Unser Verständnis vom Film, der nur unterhalten möchte, unser Verständnis vom „Unterhaltungsfilm“ per se, sollte so unbegrenzt sein wie die Welt des Kinos selbst.

Ich mag nur Filme, die mich unterhalten. Ich mag keine Filme, die mich nicht unterhalten. Mich unterhalten Jackie Chan-Flicks und Explosionen ebenso, wie mich Krankheitschroniken und Trennungsfilme unterhalten können. Mich unterhält alles, was mich als Menschen ernst nimmt und sich nicht scheut von der gesamten Palette menschlicher Emotionen Gebrauch zu machen. Jeder Film, der mich beschäftigt - intellektuell oder emotional, oder beides - der mir Eindrücke vermittelt, mich verstört, grundsätzliche Fragen stellt oder einfach nur in einer Fluchtbewegung zerstreut, unterhält mich auf eine Weise. Unterhaltung sollte nicht synonym sein mit unangebrachten Erwartungen und erwartbaren Makeln, er sollte nicht reserviert bleiben für Blockbuster, Actionfilme und seichte Komödien über Männer und Frauen - so einfach sollte man es weder der Filmindustrie, noch sich selber machen. Dem Kino zuliebe.

Samstag, 21. Januar 2017

"Don't Think Twice" [US '16 | Mike Birbiglia]

Ein absolut lohnenswerter Blick hinter die Kulissen einer New Yorker Impro-Gruppe. Humor ist hier nicht nur Bestandteil alltäglicher Umgangsformen oder Bewältigungsstrategie angesichts jener Arschtritte, die das Leben beizeiten aus der Bahn werfen, sondern auch eine Kompetenz, die die Freunde auf der Bühne abseits davon in einen Wettstreit eintreten lassen. Dann erzählt „Don't Think Twice“ auch vom Neid, dem lästigen, wenn sich die Karrierewege trennen und die Angst umgeht, auf ewig in den Kellern halb verlotterter Stand-Up-Bars den Clown zu mimen und den Wunsch es endlich auf der großen Fernsehbühne tun zu dürfen, von der Sehnsucht gesehen zu werden oder vom Widerspruch als Teamplayer seiner Intuition zu folgen, um zahlendem Publikum einen unbeschwerten Abend zu bereiten und dem Ehrgeiz aus dem Schatten seines Ensembles herauszutreten; dem Widerspruch das Leben mit Leichtigkeit zu nehmen und aus den Komplikationen des Alltags eine Pointe zu dichten und der Unbarmherzigkeit des Geschäfts. Diese sehr ambivalenten, komplexen Gefühlswelten aufstrebender Comedians, von denen man nicht weiß, ob sie zuvorderst Freunde oder doch Konkurrenten sind, fängt „Don't Think Twice“ beinahe semi-dokumentarisch und doch gleichzeitig ungeheuer einfühlsam ein. Eine klassische Milieu-Studie also, die einem sehr andere, sehr spannende Lebensentwürfe näher bringt und weder urteilt, noch beschönigt, wenngleich das Klischee vom bösen TV-Boss hier lediglich der romantischen Idee dienlich ist, die „Kommune“ gegen das verschleißende, schnelllebige Fernsehgeschäft zu verteidigen. Solche Makel sind vergessen, wenn der Film dem Theater seine Liebe gesteht und die Bühne zu jenem Ort erhebt, an der alle kommunikativen Barrieren überwunden werden - wo Wunden nicht nur aufgerissen, sondern auch wieder geheilt werden können.

6/10 

Sonntag, 15. Januar 2017

"Barbara" [DE '12 | Christian Petzold]

Welch Ironie, dass gerade Petzolds DDR-Film in solch kräftigen Farben strahlt; nicht aus Verklärung einer trüben Erinnerung heraus, sondern ganz im Gegenteil im Bewusstsein einer Lebenswirklichkeit, die für viele eben nicht nur in Grautönen gemalt wurde, weil der Mensch in jedem System für sich eine Heimat finden kann - muss. Die Kontrollsucht dieses Systems, das die Sehnsüchte seiner Bevölkerung nicht nur ungehört verklingen ließ, sondern ganz gezielt unterdrückte, bleibt nichtsdestotrotz ein stetig präsentes, allumfassendes Bedrohungsszenario, das Barbara an den Bildrand drängt und ihr die Luft zum Atmen raubt, aber ihre Idee von Freiheit nie gänzlich ersticken kann. Bemerkenswert ist, dass trotz dieses durchdachten Inszenierungskonzepts die Bilder immer noch vor Leben sprühen und die Geschichte tatsächlich lebendig werden lassen, sodass der Film nicht nur Empathie für jene zulässt, denen man den Opferstatus zuweist, sondern auch all denjenigen, die sich mit der DDR-Diktatur arrangiert haben. „Barbara“ erzählt aber auch gleichzeitig von der Idee eines Glücks, das in der Sehnsuchtsphantasie verfangen wertvoller erscheint und deswegen auf ewig unverwirklicht bleibt. Sodass Barbara schlussendlich nicht aus Opferbereitschaft an der Küste verbleibt, sondern aus Angst vor der Enttäuschung an eine sehnsüchtig erwartete West-Utopie - möglicherweise aber auch in der Realisation in einem anderen Menschen eine Heimat gefunden zu haben. Kein klassischer DDR-Film; reduziert, leise und ohnehin viel zu bunt, aber es lohnt sich - auch wenn man dafür auf die Schulklasse des Geschichtskurses 10a im Kinosaal verzichten muss und Jauch im Anschluss keine Talkrunde versammeln kann. 

8/10 

Samstag, 7. Januar 2017

"Das Leben der Anderen" [DE '06 | Florian Henckel von Donnersmarck]

Oscar-Kino aus Deutschland. Ganz am Ende schnürt Donnersmarck sogar das komplette Wohlfühlpaket. Grundlegend ist „Das Leben der Anderen“ jedoch unterhaltsam, historisch verortet, gut gespielt, nach wie vor relevant und sein durchschlagender, internationaler Erfolg, gerade in den USA, aufgrund dessen nicht einmal eine so große Überraschung. Vor allem macht der Film keine Spärenzchen, ist ganz und gar konzentriert und bietet insbesondere eine geniale Prämisse an, die als Drei-Personen-Stück auch ohne weiteres auf der Theaterbühne zuhause wäre. Auf das wirkungsvoll fatalistische Finale hin, hätte man sich die darauf folgenden, Erklärbär-lastigen Minuten aber auch sparen können. Man kann das Ende einer Diktatur auch ohne happy end für den stillen Helden auserzählen. Dafür hinterlässt Ulrich Mühe auch so einen viel zu eindringlichen Eindruck. In seinen Augen drückt sich die Sehnsucht nach Bewegung aus, dort wo der Status Quo Stillstand verlangt. In ihm manifestiert sich der Glaube und die Hoffnung an eine wesenseigene Moral, die dem Menschen auch allen Widrigkeiten zum Trotz immanent ist und die die Kunst zum Vorschein zu bringen vermag. 

6/10

Montag, 2. Januar 2017

Zuletzt gesehen: Dezember 2016

"Sag nicht, wer du bist!" [CA, FR '13 | Xavier Dolan] - 5/10

"Kubo and the Two Strings" [US '16 | Travis Knight] - 4/10

"Sully" [US '16 | Clint Eastwood] - 2/10

"Diplomatie" [DE, FR '14 | Volker Schlöndorff] - 6/10

"We Bought a Zoo" [US '11 | Cameron Crowe] - 3/10

"He’s Just Not That Into You" [US '09 | Ken Kwapis] - 4/10

"Jack" [DE '14 | Edward Berger] - 6/10

"Hedi Schneider steckt fest" [DE '15 | Sonja Heiss] - 7/10 

"Circles" [SRB, DE, FR '13 | Srdan Golubovic] - 5/10

"South Park" [US '16 | Season 20] - 5/10

"Araf" [TUR '12 | Yesim Ustaoglu] - 6.5/10

"Cure" [JP '97 | Kiyoshi Kurosawa] - 6/10

"The Hobbit: The Battle of ..." [US, NZ '14 | Peter Jackson] - 0/10

"Yella" [DE '07 | Christian Petzold] - 6/10

"Rogue One" [US '16 | Gareth Edwards] - 3/10

"Irma Vep" [FR '96 | Olivier Assayas] - 6/10

"Spuren" [AU '13 | John Curran] - 6/10

"American Honey" [US '16 | Andrea Arnold] - 7/10

"Nocturnal Animals" [US '16 | Tom Ford] - 4/10